Ein Blick nach Großbritannien verdeutlicht, warum sich Krieg zunehmend als ökonomischer „Ausweg“ darstellt. Die größten Defizite der britischen Geschichte traten fast ausschließlich während großer Kriege auf – vom Spanischen Erbfolgekrieg über die Napoleonischen Kriege bis zu den Weltkriegen. Entscheidend dabei: Diese außergewöhnlichen Belastungen wurden nach Kriegsende meist vergleichsweise rasch wieder abgebaut, begünstigt durch Wachstumsphasen, Inflation und fiskalische Konsolidierung im Rahmen des Wiederaufbaus.

In der Gegenwart zeigt sich ein ganz anderes Bild. Heute entstehen hohe Defizite nicht mehr im Ausnahmezustand des Krieges, sondern im normalen Friedensbetrieb. Es fehlt sowohl die politische Legitimation, unbegrenzt Schulden aufzunehmen, als auch die nachgelagerte „Bereinigung“ durch Kriegsfolgen und Wiederaufbau. Die Folge ist ein permanenter, kaum umkehrbarer Schuldenpfad, auf dem sich Lasten kontinuierlich anhäufen, ohne dass ein klarer Entschuldungsmechanismus erkennbar wäre.
Gerade darin liegt die Logik, warum Krieg wieder als Lösung erscheinen kann: Er erlaubt Staaten, extreme Defizite als „notwendig“ darzustellen, untragbare Verpflichtungen durch Zerstörung oder Inflation zu beseitigen und nach dem Konflikt in ein neues fiskalisches Gleichgewicht einzutreten. Die aktuelle Militarisierung Deutschlands fügt sich exakt in dieses Muster ein: Wo Friedensdefizite dauerhaft und politisch nicht mehr vermittelbar sind, wird Krieg zur letzten Rechtfertigung – und zugleich zum Instrument des ökonomischen Reset.